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Alles nur geklaut

Eröffnungskonzert [01]

Samstag | 6. August 2022 | 20.30 Uhr
Kongresszentrum Davos (Eingang Seite Hallenbad)
(→ Karte)

«Das ist alles nur geklaut und gestohlen, nur gezogen und geraubt
Entschuldigung, das hab‘ ich mir erlaubt» (Die Prinzen)

Widmung und Entlehnung, Transkription und Original. In diesem Konzert ist alles echt – und doch spielt jedes Werk auf mehreren Ebenen mit dem Begriff der Urheberschaft. Béla Bartók war ein Volkslieder-Sammler. Mit seinem Phonographen begab er sich auf Reisen nach Rumänien, Ungarn, Bulgarien, Ägypten, Algerien und in die Türkei. Ein ehrenwertes, aber auch schwieriges Unterfangen. Es kostete ihn viel Mühe und Schweiss, den Bäuerinnen und Bauern die fast vergessenen, nur mündlich überlieferten Schätze zu entlocken. In der Suite op. 14 führt er uns jedoch auf eine falsche Fährte: In den vier Sätzen schwingt Volksmusik stets mit, es ist jedoch kein einziges direktes Zitat enthalten. Inspiriert statt geklaut.

In Leo Tolstois Novelle «Die Kreutzersonate» spielt Beethovens gleichnamiges Werk eine entscheidende Rolle. Ein pathologisch eifersüchtiger Ehemann mutmasst, gemeinsames Musizieren erfülle bereits den Tatbestand vollzogenen Ehe­bruchs, und erdolcht schliesslich seine Klavier spielende Frau. Diese Geschichte hat Leoš Janáček zur Komposition eines Streichquartetts inspiriert. Eine genussvolle Verstrickung und Inspirationskette aus Literatur und Musik.

 

Béla Bartók (1881 – 1945)

Suite, op. 14, Sz. 62, BB 70
— 1. Allegretto
— 2. Scherzo
— 3. Allegro molto
— 4. Sostenuto

Julius Asal, Klavier

 

Michael Jarrell (*1958)

«Entlehnungen» für Marimbaphon

Marianna Bednarska, Marimbaphon

 

Leoš Janáček (1854 – 1928)

Streichquartett Nr. 1 «Kreutzer-Sonate»
— 1. Adagio – Con moto
— 2. Con moto
— 3. Con moto – Vivo – Andante
— 4. Con moto – (Adagio) – Più mosso

Quartetto Eos

 

Johanna Doderer (*1969)

Piano Trio Nr. 2, DWV 52 «Joseph Haydn gewidmet»
— 1. Moderato
— 2. Allegro
— 3. Adagio

Trio Incendio

 

Franz Liszt (1811 – 1886)

«Tristia» – Transkription des Komponisten seines Klavierwerks «La vallée d’Obermann»

Trio Incendio

 

Mit Grussworten von Dr. Matthias von Orelli, Präsident der Stiftung DAVOS FESTIVAL, und Philipp Wilhelm, Landammann der Gemeinde Davos, sowie einer Eröffnungsrede der Politik- und Wirtschaftsphilosophin Dr. Katja Gentinetta.

Die promovierte Philosophin Katja Gentinetta lehrt an den Universitäten Luzern und Zürich, ist Verwaltungsrätin, Mitglied des Aufsichtsrats des IKRK und Präsidentin des Stapferhaus in Lenzburg. Sie hat mehrere Bücher zu gesellschafts- und wirtschaftspolitischen Fragen publiziert, zuletzt als Mitherausgeberin von Eine Aussenpolitik für die Schweiz im 21. Jahrhundert (NZZ Verlag 2021). Im Juni 2022 erscheint ihr Essay Streitfrage Wachstum (Westend-Verlag). Sie publiziert und referiert im In- und Ausland regelmässig zu gesellschafts-, wirtschafts- und geopolitischen Themen.

 

Ende ca. 22.30 Uhr, ohne Pause