Die Tasse Kaffee am Morgen. Der Energydrink am frühen Nachmittag. Koffein verleiht – so verspricht es die Werbung – Flügel. Doch der Höhenflug hält meist nur kurz an. Für die Langstrecke braucht es anderes: einen langen Atem, Inspiration und Geduld.
Die Werke von Lili Boulanger, Claude Debussy und Paul Hindemith entstanden in derselben Zeit – und klingen doch völlig unterschiedlich. Sie sind Spät- und Frühwerke zugleich. Debussy spielte im Mai 1917 in Paris die Uraufführung seiner Sonate in g-Moll; es war sein letztes öffentliches Konzert. Neun Monate später erlag er seinem Krebsleiden. Lili Boulanger diktierte ihrer Schwester Nadia die letzten Zeilen von D’un matin de printemps, bevor sie viel zu früh verstarb. Hindemiths Kleine Kammermusik hingegen ist ein frühes Werk – schwungvoll, experimentierfreudig, mit einem augenzwinkernden Flirt mit dem Jazz.
So begegnen sich an diesem Abend Komponist*innen, die mutig ihren eigenen Weg gingen – und deren Musik nicht nur für einen kurzen Flügelschlag, sondern für die Langstrecke geschaffen ist.
Lili Boulanger (1893–1918)
D’un soir triste, LB 40 (1917)
D'un matin de printemps, LB 41 (1918)
Josef Suk (1874–1935)
Ballade in d-Moll, op. 3, 1 (1890)
Claude Debussy (1862–1918)
Sonate in g-Moll für Violine und Klavier (1917)
Allegro vivo
Intermède. Fantastique et léger
Finale. Très animé
Paul Hindemith (1895–1963)
Kleine Kammermusik, op. 24/2 (1922)
Lustig
Walzer
Ruhig und einfach
Schnelle Viertel – frei
Sehr lebhaft