Das zweisätzige Streichtrio des Prager Komponisten Hans Krása berührt eines der dunkelsten Kapitel deutscher Geschichte: Bis 1939 zählte Krása zu den angesehensten Komponisten Prags, danach wurde er als Musiker im NS-Protektorat Böhmen und Mähren verfolgt, bis er schliesslich im November 1941 als Häftling Nummer 21855 in Theresienstadt registriert wurde. Dort leitete er die Musiksektion im Rahmen der «Freizeitgestaltung» der Häftlinge – einem Teil der von den Deutschen eingeräumten Selbstverwaltung. Für die Konzerte in diesem Kontext komponierte Krása im Sommer 1944 seine Passacaglia und Tanz für Streichtrio. Nur zwei Monate später wurde er nach Auschwitz deportiert und ermordet.
Diese tragische Geschichte steht im Kontrast zur aktuellen Ausstellung Farbenrausch im Kirchner Museum, schafft jedoch zugleich ein umfassenderes Bild unseres Daseins, das von Blau, Rot, Orange, Dunkelgrün, Schwarz und Salbei geprägt ist. Das Konzert endet mit dem Märchenzyklus Ma mère l’Oye (deutsch: «Mutter Gans») von Maurice Ravel, der uns wieder in eine leuchtende, farbenfrohe Welt entführt, ohne das Gewesene zu vergessen.
Bohuslav Martinů (1890–1959)
Duo Nr. 1, H. 157 (1927)
Preludium: Andante moderato
Johann Sebastian Bach (1685–1750)
Prélude Nr. 15 in G-Dur, BWV 860 (1722)
Henriette Renié (1875–1956)
Légende d’après «Les Elfes» de Leconte De Lisle (1904)
Hans Krása (1899–1944)
Passacaglia und Fuga für Violine, Viola und Violoncello (1944)
Gaspar Cassadó (1897–1966)
Suite für Violoncello (1926)
I. Preludio-Fantasia – a Zarabanda
III. Intermezzo et danza finale
Maurice Ravel (1875–1937)
Arrangiert für Bläserquintett von Joachim Linckelmann (*1964)
Ma mère L’Oye (1911)
Pavane de la Belle au bois dormant. Lent
Petit Pucet. Très modéré
Laideronnette, Impératrice des Pagodes. Mouvement de Marche
Les entretiens de la Belle et de la Bête. Mouvement de Valse très modéré
Le Jardin féerique. Lent et grave